Wir kämpfen für die Gastfreundschaft und Vielfalt unserer Stadt

Sprechen, Gestalten, Erhalten



Aufruf zum Runden Tisch

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Wir, das Bündnis „Bars of Berlin“, sind uns der Herausforderungen bewusst, die das Zusammenspiel von Nachtleben und Coronavirus bergen. Doch wir sind der Meinung, dass Infektionsschutz und eine lebendige Barkultur in Berlin zu erhalten, keine unvereinbaren Gegensätze sind.

Daher sehen wir folgende Punkte als unerlässlich an, um das langfristige Überleben der diversen Berliner Barlandschaft  – fast 1800 Schankwirtschaften laut der offiziellen Steuerstatistik – zu sichern:


1. ) Wir fordern einen Runden Tisch mit den Verantwortlichen vom Senat und uns Barbetreibern. Wir kennen die Probleme und Gefahren, die sich durch die Corona Krise für unsere  Betriebe ergeben am besten. Redet mit uns! Wir sind darin Profis!


2. ) Wir fordern, dass der Senat die Bedeutung des bunten, liberalen Nachtlebens für  Berlin endlich anerkennt. Es ist an der Zeit, dass er sich öffentlich hinter die Bars, die Clubs und die gesamte Veranstaltungsbranche stellt – denn wir prägen maßgeblich das weltoffene Image der Stadt. Ein Image, das Jahr für Jahr abertausende Touristen anlockt, die in die Museen und Galerien strömen, die Restaurants füllen und die hiesigen Hotels buchen. Wir machen Berlin sexy! Ohne uns ist Berlin nur noch arm! Eine Metropole ohne USP!


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Darum schlagen wir als konkrete Rettungsmaßnahmen vor:


3. ) eine gerechte Verteilung der Corona bedingten Umsatzausfälle und Einschränkungen in unseren Vertragsverhältnissen!  Es kann nicht sein, dass wir aufgrund von staatlich verhängten Verordnungen enorme Umsatzausfälle in Kauf nehmen müssen und zugleich weiterhin verpflichtet sind, 100 % unserer Gewerbemiete zu zahlen. Auch die Immobilienwirtschaft muss einen angemessenen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten, damit alle eine Chance aufs Überleben haben – Solidarität ist keine Einbahnstraße!


4. ) gebt uns eine Perspektive! Was ist im Herbst, wenn das Wetter die Bewirtschaftung der Außenbereiche extrem einschränkt und unsere Sitzplatzkapazitäten im Innenbereich aufgrund der Abstandsregeln um bis zu 70 Prozent reduziert sind? Für diese Zeit brauchen wir

  a) eine Garantie auf weitere unkomplizierte finanzielle Unterstützung, um die           erwartbaren Umsatzausfälle zu kompensieren. Das Witzprogramm der Bundesregierung für die Monate Juni bis August hat allerdings vorgemacht, wie es nicht geht: bürokratische Hürden bei der Antragsstellung, an der viele scheitern; Gelder für Kleinstbetriebe, um massive Verluste teils aufzufangen – was nichts daran ändert, dass der Verlust ein Verlust bleibt und Kleinstbetriebe oft weder die Polster noch die Rückendeckung der Banken haben, um solche Schulden aufzufangen

  b) eine Neuregelung der Lärmschutzverordnung: das Bedürfnis nach Ruhe darf nicht über dem Schutz der Gesundheit stehen. Außenbereiche müssen daher – solange es die Temperaturen zulassen – verbindlich für alle Bars (und Restaurants, Cafés etc.) auch nach 22:00 genutzt werden dürfen. Zudem muss es möglich sein, trotz erhöhter Lärmbelästigung für die Anwohner*innen, Türen und Fenster zum Zweck der Belüftung die Nacht über offen zu lassen


5. ) eine einheitliche und für ganz Berlin geltende Regelung über eine erweiterte Nutzung der Außenflächen, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können. Dies beinhaltet

 a) die Aufhebung des unsinnigen Verbots, welches die Nutzung der sogenannten Gehwegunterseite generell untersagt

 b) bei besonders engen Gehwegen die Bereitstellung von Parkplätzen zur Bewirtschaftung

 c) die Erlaubnis, die Freifläche angrenzender Gewerbe zu nutzen, wenn es sie in ihrem eigenen Betrieb nicht behindert

 d) all diese Regelungen ohne Befristung und zusätzliche Anträge so lange in Kraft zu lassen, bis die Pandemie keine Gefahr mehr für die öffentliche Gesundheit darstellt


Zum Abschluss möchten wir noch einmal betonen, dass unsere Rolle als systemrelevante soziale und geschützte Räume nicht unterschätzt werden sollte. Wir sind Stätten der Begegnung und Freiheit. Wilde Partys in Parks oder gar Randale von frustrierten jungen Menschen wie in Stuttgart deuten an, was unserer Gesellschaft droht, wenn wir als Gastronomen mit all unserer Erfahrung nicht mehr da sind, um dem menschlichen Bedürfnis nach Ablenkung und Vergnügen kontrollierte Räume zu geben. Wenn die Bars sterben, stirbt das freie und weltoffene Berlin!

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Wir hoffen, der Berliner Senat sieht die gleiche Dringlichkeit wie wir, sich diesen Punkten zu widmen und stimmt einem Runden Tisch „Gastfreundschaft und Vielfalt“ zu. Dieser sollte solange aktiv sein, bis eine Rückkehr zum Normalbetrieb aller Bars gewährleistet werden kann. Zudem sind wir der Ansicht, dass für eine derart diverse Thematik wie der Erhaltung des Nachtlebens möglichst alle involvierten Akteur*innen (Clubs, Fachleute aus der Tourismusbranche, Wirtschaft etc.) zusammenkommen sollten. Nur gemeinsam können wir es schaffen, Berlins internationale Strahlkraft für die Zukunft zu retten.