Wir kämpfen für die Gastfreundschaft und Vielfalt unserer Stadt

Sprechen, Gestalten, Erhalten



Aufruf zum Runden Tisch

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Wir, das Bündnis „Bars of Berlin“, sind uns der Herausforderungen bewusst, die das Zusammenspiel von Nachtleben und Coronavirus bergen. Doch wir sind der Meinung, dass Infektionsschutz und eine lebendige Barkultur in Berlin zu erhalten, keine unvereinbaren Gegensätze sind.


Gleichzeitig sind die Bars in Berlin so divers wie diese Stadt selbst. Und sie sind zahlreich: fast 1800 Schankwirtschaften laut der offiziellen Steuerstatistik. Jeder einzelne dieser Betriebe unterscheidet sich in der Ausrichtung des Getränkeangebots, dem Standort, der Höhe der Miete, den Räumlichkeiten im Innenbereich sowie dem zur Verfügung stehenden Außenbereich, manche sind Raucherlokale, in anderen gibt es Snacks – und all diese Faktoren müssen differenziert betrachtet werden, um ein gangbares Konzept zur Erhaltung der Bars zu entwickeln.


Daher sehen wir zum augenblicklichen Zeitpunkt – mit Stand der Verordnung vom 26. Juli 2020 – folgende Punkte als unerlässlich für das langfristige Überleben der Berliner Barlandschaft an:


1.) Wir fordern einen Runden Tisch mit den Verantwortlichen vom Senat und uns Barbetreibern! Wir kennen die Probleme und Gefahren, die sich durch die Corona Krise für unsere  Betriebe ergeben am besten. Redet mit uns! Wir sind darin Profis!


Diesen Dialog sollte das Prinzip der Gleichbehandlung leiten. Nicht nur aus Gründen des fairen Wettbewerbs, sondern auch in Anbetracht der Frage des Respekts ist es an der Zeit, uns auf Augenhöhe zu begegnen. Wie innerhalb der Coronakrise mit den hiesigen Bars und ihren Gästen umgegangen wurde, grenzte nahezu an Verleumdung. Daraus folgt:


2.) Wir fordern, dass der Senat die Bedeutung des bunten, liberalen Nachtlebens für  Berlin endlich anerkennt und sich öffentlich dazu bekennt, diesen auch wirtschaftlich bedeutenden Standortfaktor unbedingt erhalten zu wollen. Wir machen Berlin sexy! Ohne uns ist Berlin nur noch arm!


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Dies deutlich gemacht, sehen wir diese Maßnahmen als konkrete Hilfsmöglichkeiten zur Rettung der Bars an:


3. ) Wir fordern eine gerechtere Verteilung der Corona bedingten Umsatzausfälle und Einschränkungen in unseren Vertragsverhältnissen!  Es kann nicht sein, dass wir aufgrund von staatlich verhängten Verordnungen enorme Umsatzausfälle in Kauf nehmen müssen und zugleich weiterhin verpflichtet sind, 100 % unserer Gewebemiete zu zahlen. Auch die Immobilienwirtschaft muss einen angemessenen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten, damit alle eine Chance aufs Überleben haben!


4. ) Gebt uns eine Perspektive! Was ist im Herbst, wenn das Wetter die Bewirtschaftung der Außenbereiche unmöglich macht. Kommt dann das große Bar -und Kneipensterben? Wir brauchen eine Garantie auf weitere unkomplizierte finanzielle Unterstützung, wenn im Herbst besonders hart betroffene Branchen wie wir vor dem finanziellen Ruin stehen!


5. ) Wir fordern die Anerkennung als systemrelevante soziale & geschützte Räume. Wir sind Stätten der Begegnung und Freiheit. Wilde Partys in Parks oder gar Randale von frustrierten jungen Menschen wie in Stuttgart deuten an, was unserer Gesellschaft droht, wenn wir als Gastronomen mit all unserer Erfahrung nicht mehr da sind, um dem menschlichen Bedürfnis nach Ablenkung und Vergnügen kontrollierte Räume zu geben. Wenn die Bars sterben, stirbt das freie und weltoffene Berlin!


6.) Wir fordern eine spezifischere Anpassung der Auflagen und Einschränkungen. Dazu gehören die großzügige, rechtssichere und für alle Berliner Bezirke einheitlich geltende Möglichkeit zur Erweiterung des Außenbetriebes sowie der Wegfall der unsinnigen Anordnung nur Service am Tisch zu erlauben beziehungsweise das Sitzen am Tresen zu verbieten.  Dies gebietet alleine schon das Gleichheitsprinzip, denn in Imbissen, Eisläden oder Supermärkten dürfen Geschäfte direkt am Tresen getätigt werden. Warum wird nur uns das verwehrt? Abstand halten ist und bleibt wichtig, aber das geht auch an unseren Tresen!


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Wir hoffen, der Berliner Senat sieht die gleiche Dringlichkeit wie wir, sich diesen Fragen zu widmen und stimmt einem Runden Tisch „Gastfreundschaft und Vielfalt“ zu. Dieser sollte idealerweise solange aktiv sein, bis eine Rückkehr zum Normalbetrieb aller Bars gewährleistet werden kann. Zudem sind wir der Ansicht, dass für eine derart diverse und zugleich für die Stadt überlebensnotwendige Thematik wie der Erhaltung des Nachtlebens möglichst alle involvierten Akteur*innen (Clubs, Fachleute aus der Tourismusbranche, Wirtschaft etc.) zusammenkommen sollten. Nur gemeinsam können wir es schaffen, Berlins internationale Strahlkraft für die Zukunft zu retten.


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